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Transkription nach GAT 2

Stand: 1. Oktober 2026

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Festpreis ab 9,90 € inklusive Umsatzsteuer, fertig in etwa 30 Minuten

Die Regeln von Thorsten Dresing und Thorsten Pehl sind in deutschsprachigen Abschlussarbeiten mit Interviews das am häufigsten verwendete Regelwerk. Sie zielen auf den Inhalt des Gesagten, nicht auf die Sprechweise. Deshalb heißen sie inhaltlich-semantisch. Der aktuelle Stand ist vom November 2022 und steht in der 9. Auflage des Praxisbuchs von 2023. Frühere Fassungen hießen „einfaches Transkriptionssystem“.

Drei Stufen: Minimal, Basis, Fein

Für eine inhaltliche Auswertung von Interviews brauchen Sie es selten, für Gesprächsanalyse und Interaktionale Linguistik ist es Standard.

GAT steht für Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem. Die zweite Fassung haben Margret Selting, Peter Auer und 19 weitere Gesprächsforscherinnen und Gesprächsforscher 2009 veröffentlicht, eine englische Fassung folgte 2011. Beide Texte sind frei im Netz verfügbar und die maßgebliche Quelle, wenn Ihr Lehrstuhl GAT 2 verlangt. Diese Seite gibt einen Überblick und hilft bei der Entscheidung, ob Sie es überhaupt brauchen.

GAT 2 ist in Stufen aufgebaut. Jede Stufe ergänzt die vorige, Sie können also mit einem einfachen Transkript beginnen und ausgewählte Stellen später verfeinern.

  • Minimaltranskript: Wortlaut, gegliedert in Intonationsphrasen, also kurze Sprecheinheiten mit eigenem Tonhöhenverlauf. Dazu Überlappungen, Verzögerungssignale wie äh, Pausen, hörbares Ein- und Ausatmen, Lachen, nichtsprachliche Handlungen und unverständliche Stellen. Jede Phrase steht in einer eigenen, nummerierten Zeile.
  • Basistranskript: zusätzlich der Fokusakzent jeder Phrase, die Tonhöhenbewegung am Phrasenende, Dehnungen, schnelle Anschlüsse und Kommentare.
  • Feintranskript: zusätzlich Nebenakzente, genauere Tonhöhenverläufe, Lautstärke, Sprechtempo und Tonhöhenregister.

Bemerkenswert für Abschlussarbeiten: Die Autorinnen und Autoren schreiben selbst, dass das Minimaltranskript für viele sozialwissenschaftliche Zwecke ausreicht, etwa für die Inhaltsanalyse von Interviews (Selting u. a. 2009, Abschnitt 3.2). Für Gesprächsanalyse und Interaktionale Linguistik ist es dagegen meist zu grob.

Die wichtigsten Zeichen

Eine Auswahl aus dem Minimal- und Basistranskript, nach Selting u. a. 2009 und der englischen Fassung 2011:

ZeichenBedeutung
(.)Mikropause, geschätzt, bis etwa 0,2 Sekunden
(-) (--) (---)geschätzte Pausen von etwa 0,2 bis 0,5, 0,5 bis 0,8 und 0,8 bis 1,0 Sekunden
(2.0)Pause in Sekunden, auf die Zehntelsekunde; längere Pausen immer so
[ ]Beginn und Ende einer Überlappung, in beiden Zeilen untereinander gesetzt
°h h°hörbares Ein- und Ausatmen, etwa 0,2 bis 0,5 Sekunden; °hh und °hhh für längeres
((lacht))nichtsprachliche Handlung oder Ereignis
( ) (xxx xxx)unverständliche Stelle, mit xxx je unverständlicher Silbe
(ich mein)vermuteter Wortlaut
: :: :::Dehnung, etwa 0,2 bis 0,5, 0,5 bis 0,8 und 0,8 bis 1,0 Sekunden (Basistranskript)
=schneller Anschluss ohne die übliche Mikropause (Basistranskript)
akZENTFokusakzent in Großbuchstaben (Basistranskript)
? , ; .Tonhöhe am Phrasenende: hoch steigend, steigend, fallend, tief fallend (Basistranskript)

Für gleichbleibende Tonhöhe setzt GAT 2 einen Halbgeviertstrich, ausdrücklich keinen Bindestrich. Wichtig: Die Zeichen am Phrasenende sind keine Satzzeichen. Ein Fragezeichen steht für steigende Tonhöhe, nicht für eine Frage. Weil Großbuchstaben den Akzent markieren, wird im Übrigen durchgehend klein geschrieben.

So sieht es aus

Ein erfundener Ausschnitt als Minimaltranskript:

01   I:   und wann haben sie das zum ersten mal gemerkt
02   B:   also (.) äh
03        (1.2)
04   B:   das war eigentlich [schon im ersten jahr]
05   I:                      [im ersten jahr     ]
06   B:   ja ((lacht)) °h und dann (xxx xxx) gar nicht mehr

Derselbe Abschnitt nach Dresing/Pehl wäre ein einziger Absatz je Sprecher: „B: Also, das war eigentlich schon im ersten Jahr. (lacht) Und dann (unv.) gar nicht mehr.“ Leichter zu lesen, aber ohne die Überlappung, ohne die Pause von 1,2 Sekunden und ohne das Einatmen.

Brauchen Sie GAT 2?

Die Frage beantwortet Ihre Forschungsfrage. Eine Faustregel:

  • Sie werten aus, was gesagt wird: Erfahrungen, Einschätzungen, Abläufe, etwa mit der Inhaltsanalyse nach Mayring oder Kuckartz. Dann genügen Dresing/Pehl oder Kuckartz. Mehr unter Transkriptionsregeln nach Kuckartz.
  • Sie werten aus, wie gesprochen wird: Sprecherwechsel, Unterbrechungen, Reparaturen, Intonation, etwa in der Konversationsanalyse oder Interaktionalen Linguistik. Dann ist GAT 2 üblich, meist als Basistranskript, für einzelne Stellen als Feintranskript.
  • Dazwischen: Wenn Zögern oder Pausen für Ihre Deutung wichtig sind, reicht oft eine wörtliche Transkription mit Pausen in Sekunden. Begründen Sie die Wahl im Methodenteil.

Rechnen Sie mit Aufwand. Schon ein Interview nach den einfachen Regeln dauert von Hand ein Vielfaches seiner Länge, wie unter Wie lange dauert Transkribieren? beschrieben. Ein Basistranskript nach GAT 2 braucht wegen der Segmentierung und der Tonhöhe deutlich mehr Zeit. Deshalb transkribieren viele nur die Stellen fein, die sie im Detail analysieren.

Quellen: Selting, M., Auer, P., Barth-Weingarten, D. u. a.: Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem 2 (GAT 2), Gesprächsforschung, Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion 10 (2009), S. 353 bis 402, gespraechsforschung-ozs.de. Englische Fassung: A system for transcribing talk-in-interaction: GAT 2, übersetzt von E. Couper-Kuhlen und D. Barth-Weingarten, Gesprächsforschung 12 (2011), S. 1 bis 51, Abschnitte 3.2 bis 3.4.

Was wir liefern und was nicht

Ein Transkript nach GAT 2 erstellen wir nicht. Intonationsphrasen, Überlappungen und Akzente erkennt unsere Spracherkennung nicht zuverlässig, und wir verkaufen nichts, was wir nicht sauber liefern können.

Was wir anbieten, ist eine Arbeitsgrundlage: das Regelwerk „Wörtlich“, bei dem Füllwörter wie äh und ähm stehen bleiben und Pausen in Sekunden angegeben sind, mit Sprecherkürzeln und Zeitmarken. Damit sparen Sie das erste Abtippen des Wortlauts und können sich beim Hören auf Segmentierung, Pausen und Tonhöhe konzentrieren, etwa im Editor FOLKER, den die Autoren von GAT 2 in ihrem Text vorstellen. Ein Gespräch von 30 Minuten kostet 19,90 €, eines von 60 Minuten 39,90 €. Ob das für Ihre Arbeit passt, entscheiden Sie: Aufnahme hochladen und im Schritt „Regeln“ die Option „Wörtlich“ wählen.

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Häufige Fragen

Wie zitiere ich GAT 2?

Selting, M., Auer, P. u. a.: Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem 2 (GAT 2). In: Gesprächsforschung, Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion 10 (2009), S. 353 bis 402. Geben Sie zusätzlich an, welche Stufe Sie verwendet haben.

Kann eine KI ein GAT-2-Transkript erstellen?

Den Wortlaut kann eine Spracherkennung liefern. Intonationsphrasen, Fokusakzente und Tonhöhenbewegungen muss heute noch ein Mensch beim Hören setzen. Prüfen Sie jedes Angebot, das GAT 2 auf Knopfdruck verspricht, an einem Ausschnitt.

Was ist der Unterschied zu Dresing/Pehl?

Dresing/Pehl glättet den Text für die inhaltliche Auswertung, GAT 2 hält die Sprechweise fest. Ein Dresing/Pehl-Transkript liest sich wie ein Text, ein GAT-2-Transkript wie eine Partitur.