Die Regeln von Thorsten Dresing und Thorsten Pehl sind in deutschsprachigen Abschlussarbeiten mit Interviews das am häufigsten verwendete Regelwerk. Sie zielen auf den Inhalt des Gesagten, nicht auf die Sprechweise. Deshalb heißen sie inhaltlich-semantisch. Der aktuelle Stand ist vom November 2022 und steht in der 9. Auflage des Praxisbuchs von 2023. Frühere Fassungen hießen „einfaches Transkriptionssystem“.
Die Grundregeln
Wörtlich schreiben, auch wenn es holpert. Was gesagt wurde, kommt aufs Papier, auch wenn der Satz grammatisch nicht aufgeht. Dialekt wird ans Schriftdeutsch angenähert. Aus „Mer hän des net gwusst“ wird „Wir haben das nicht gewusst“. Verschleifungen wie „so'n“ werden zu „so ein“.
Verständnissignale weglassen. Kurze Laute wie „mhm“, „ja“ oder „genau“ von der Person, die gerade nicht spricht, werden nicht transkribiert, solange sie den Redefluss nicht unterbrechen. Besteht eine Antwort nur aus „mhm“, wird sie notiert, mit einer Deutung in Klammern, etwa „Mhm (bejahend).“
Pausen ab drei Sekunden markieren. Eine deutliche Pause steht als (...) im Text.
Emotionen und Betonung kennzeichnen. Lachen oder Seufzen kommt in Klammern, zum Beispiel (lacht). Besonders betonte Wörter stehen in GROSSBUCHSTABEN.
Jeder Beitrag ein Absatz. Jeder Sprecherwechsel beginnt einen neuen Absatz mit Kürzel: I für die interviewende Person, B für die befragte. Bei mehreren Befragten B1, B2 und so weiter. Zwischen den Absätzen steht eine Leerzeile, am Ende eines Absatzes eine Zeitmarke.
Unverständliches und Vermutungen
Wörter, die sich auch nach mehrmaligem Hören nicht verstehen lassen, werden mit (unv.) markiert, am besten mit Zeitmarke, damit man die Stelle wiederfindet. Glaubt man ein Wort zu verstehen, ist sich aber nicht sicher, kommt es mit Fragezeichen in Klammern: (Antonovsky?).
Erweiterungen
Für feinere Auswertungen nennt das Praxisbuch Zusatzmodule: Wort- und Satzabbrüche mit Schrägstrich, Pausen nach Länge gestaffelt von (.) bis (...), Überlappungen mit // und auch die Verständnissignale aller Beteiligten. Ob Sie die brauchen, hängt von der Forschungsfrage ab. Für eine inhaltliche Auswertung nach Mayring oder Kuckartz reichen die Grundregeln.
Ein kurzes Beispiel
So sieht ein Ausschnitt nach den Regeln aus:
I: Wie bekommen Sie die Arbeit und die Pflege unter einen Hut? #00:00:25-0#
B: Ehrlich gesagt, an manchen Tagen gar nicht. Morgens kommt der Pflegedienst, das ist fest. (...) Das ist schon eine Belastung, die man unterschätzt. #00:00:46-2#
Ein längeres Beispiel mit Kopf, Zeilennummern und Prüfbericht zeigt die Seite Transkript Beispiel.
Was die Software automatisch umsetzt und was nicht
Wenn Sie bei uns „Dresing/Pehl“ wählen, setzt die Software diese Regeln um: Füllwörter wie äh und ähm fallen weg, gestotterte Wiederholungen („ich ich“) werden geglättet, Verschleifungen ans Schriftdeutsch angenähert, Pausen ab drei Sekunden als (...) gesetzt, unsichere Wörter als (Wort?) und unverständliche Stellen als (unv.) mit Zeitmarke markiert. Jeder Beitrag bekommt einen Absatz mit Kürzel und eine Zeitmarke im Format #00:01:23-4#, das MAXQDA und f4 lesen können.
Zwei Dinge kann die Software nicht zuverlässig: Betonungen erkennen und Lachen hören. Beides fehlt deshalb meistens. Wenn es für Ihre Auswertung wichtig ist, ergänzen Sie es beim Gegenhören. Auch Stellen, an denen zwei Personen gleichzeitig sprechen, erfasst sie nur teilweise.
Quelle: Dresing, T. & Pehl, T., Regelsystem für die inhaltlich-semantische Transkription, Stand November 2022, audiotranskription.de/regeln, abgerufen am 01.10.2026.
Wenn Sie die Regeln nicht von Hand anwenden möchten: Interview hochladen, Dresing/Pehl wählen, und Sie bekommen das Transkript mit Kürzeln, Pausen, (unv.) und Zeitmarken als Word-Datei mit Zeilennummern. Ein Interview von 45 Minuten kostet 29,90 €.
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Häufige Fragen
Wie zitiere ich die Regeln in meiner Arbeit?
Dresing, T. & Pehl, T. (2023). Praxisbuch Interview, Transkription & Analyse. Anleitungen und Regelsysteme für qualitativ Forschende (9. Aufl.). Marburg: Eigenverlag. Online: www.audiotranskription.de/regeln. Prüfen Sie die Auflage, die Ihr Lehrstuhl angibt, ältere Arbeiten zitieren oft die 8. Auflage von 2018.
Muss ich äh und ähm mit transkribieren?
Nach den inhaltlich-semantischen Regeln nicht. Sie werden weggelassen, solange sie keine Antwort sind. Wenn Ihre Forschungsfrage auf Sprechweise, Zögern oder Unsicherheit zielt, wählen Sie eine wörtliche Transkription und begründen das im Methodenteil.
Was ist der Unterschied zu GAT 2?
GAT 2 ist ein Transkriptionssystem aus der Gesprächsforschung. Es hält Tonhöhe, Überlappungen, Dehnungen und Pausen auf die Zehntelsekunde fest. Für eine inhaltliche Auswertung in Bachelor- und Masterarbeiten ist das fast nie nötig. Dresing/Pehl ist deutlich leichter zu lesen.